Jetzt ist sie da, die Fastenzeit!

Ein guter Anlass  für mich, mich mit dem Thema Fasten und dem bewussten Verzicht näher zu beschäftigen. Neben dem spirituellen Aspekt der inneren Einkehr und Besinnung,  soll der Verzicht von Nahrung auch Krankheiten vorbeugen bzw. lindern können. Ich sehe es als Frühjahrsputz für den Körper.

Eines vorweg: Fasten ist schon immer ein Teil der menschlichen Geschichte – wenn auch nicht immer ganz freiwillig. Gab es für den Steinzeitmenschen, zum Beispiel, nichts zum Fangen oder Sammeln musste Wohl oder Übel gefastet werden.

In der jüngeren Geschichte (des Überflusses) hat sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Fastenformen entwickelt. Lassen Sie uns daher mit einer  Auflistung der bekanntesten Fastenmethoden beginnen:

  • Heilfasten nach Otto Buchinger: Das ist die strengste Form des Fastens. Auf feste Nahrung wird hier komplett verzichtet. Es gibt Wasser, Kräutertees, Molke, ungesüßte Obst– und Gemüsesäfte und klare Gemüsesuppe.
  • Rohkost nach Bircher-Benner:  Mindestens die Hälfte der Nahrung besteht hier aus Rohkost. Dazu sieht die Fastenküche gemahlenes Vollkorn, Obst, Nüsse und Milchprodukte vor.
  • Franz-Xaver-Mayr-Kur: Sie beginnt mit einem Teefasten, danach erfolgt die bekannte Milch-Semmel-Kur. Um die Verdauung optimal zu unterstützen, ist das sorgfältige Kauen der altbackenen Semmeln besonders wichtig.
  • Suppenfasten: Bei dieser Kur sind dreimal am Tag ein bis zwei Teller warme Suppe vorgesehen.
  • Obst-Gemüse-Fasten: Fünf große Portionen frisches Obst und Gemüse nach Wahl gibt es zu Essen.
  • Basenfasten: Alle säurebildenden Nahrungsmittel (Fleisch, Nudeln, Brot, Milchprodukte) werden weggelassen. Am Speiseplan stehen vor allem zahlreiche Obst– und Gemüsesorten, Salat, Nüsse Und Kartoffeln. Sicher einer der sanftesten Fastenmethoden.
  • Reisfasten: Wie der Name schon sagt, wird für einige Tage vorrangig (brauner) Reis gegessen. Diese Art zu Fasten funktioniert auch mit anderen Getreidesorten und Erdäpfeln.
  • Intermittierendes Fasten: Auf Phasen der „normalen” Nahrungsaufnahme folgen Zeitabschnitte, in denen nichts gegessen wird. Dabei gibt es zahlreiche Varianten: 2 Tage essen, 1 Tag fasten; 1 Tag essen, 1 Tag fasten; 6 Stunden essen, 18 Stunden fasten — um nur einige zu nennen. Derzeit wohl die angesagteste Form des Fastens.

Was geschieht, wenn wir fastet?

Wie Anfangs erwähnt, ist für den menschlichen Organismus der Umstand, längere Zeit keine  Nahrung zu sich nehmen zu können, stets Normalität gewesen. Erst in den letzten Jahrzehnten spielt das Ernährungs– und Hungerproblem – in den Wohlstandstaaten der westlichen Hemisphäre —  eine geringere Rolle. Setzt man den menschlichen Organismus auf eine (Null)diät, hat der Organismus gelernt, seinen täglichen Energiebedarf durch Anzapfen körpereigener Reserven zu decken. Um auch in einer Hungersituation handlungsfähig zu bleiben, schüttet der Körper „Stimmungsaufheller“ – sogenannte endogenen Dynorphinen – aus. Es reduziert die Schmerzempfindung und erhöht die Wachsamkeit. Dies sichert dem Steinzeitmenschen in uns die Möglichkeit, auf die Suche nach Nahrungsmitteln zu gehen.

In der Naturheilkunde nutzt man diesen Vorgang zum Entgiftung des Körpers. Die Ausscheidungsorgane werden angeregt, der Körper von Grund auf gereinigt. Der Stoffwechsel wird komplett umgestellt und damit praktisch auf null zurückgesetzt. Auch der Geist verändert sich bei einer Fastenkur: Ist die Überwindung anfangs noch groß, tritt nach einigen Tagen bei vielen Menschen ein Gefühl von Leichtigkeit, Freiheit und innerer Ruhe ein. Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Magenbeschwerden sind nach kurzer Zeit kein Thema mehr.

Fasten geht nicht nebenbei

Eine Fastenkur gehört gut geplant und vorbereitet. Sie soll ohne Hektik und Stress stattfinden. Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsschwierigkeiten gehören in den ersten Tagen zu möglichen „Nebenwirkungen”.  Deshalb wäre es optimal, sich für das Fasten Urlaub zu nehmen. Meine persönliche Fastenerfahrung hat gezeigt, dass es auch nicht schadet, sein Umfeld „vorzuwarnen“. Gereiztheit stand in den ersten 48 Stunden auf der Tagesordnung.

Und ist fasten jetzt gesund?

Hier steckt die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen.  Neue Studien zeigen, dass der bewusste Verzicht auf Nahrungsmittel wie ein heilsamer Schock auf unsere Körper wirkt. Es soll die die Physiologie auf den Kopf stellen, biochemische Reaktionen auslösen und Reinigungsmechanismen anregen. Fasten soll Entzündungen hemmen und hohen Blutdruck senken. Ob das Alles stimmt? Ein Versuch ist es  — meiner Ansicht nach — auf jeden Fall wert. Was meinen Sie?

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