In Ausschreibungen werden wir immer wieder ein möglich niedriger Convenience-Anteil gefordert. Den wir auch gerne (mit einer Erklärung versehen) angeben. Warum es aber schwierig ist Convenience-Angaben zu vergleichen, diskutieren wir im heutigen Beitrag.

Begriffsdefinition Convenience?

Damit wir über Convenience sprechen können, müssen wir zuerst einmal definieren was wir darunter verstehen. Bei der Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche kommt man mit Begriffen wie Bequemlichkeit und Komfort in Berührung. Laut Duden wird Convenience Food folgendermaßen definiert:

  1. Gericht, das für den Verbrauch schon weitgehend zubereitet ist und daher für den Verbraucher eine Arbeitserleichterung bedeutet; Fertiggericht

  2. Nahrungsmittel, das für die Weiterverarbeitung in der Gastronomie vorbereitet ist

Quelle: Duden

Wir haben also bereits hier einen großen Spielraum der Interpretationen zulässt, denn ob ich ein Fertiggericht oder ein Nahrungsmittel zu Weiterverarbeitung vor mir liegen habe, macht einen deutlichen Unterschied. Leider gibt es in der Lebensmittelbranche keine vorgeschriebene Definition, was Convenience bedeutet, geschweige denn eine Klassifizierung, welches Produkt zu welchem Prozentsatz Convenience ist. Einzig die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat vor einiger Zeit einen Versuch der Klassifizierung gestartet. Die folgende Tabelle zeigt die 5 Stufen, welche die DGE auch in Ihren Empfehlungen für Betriebsgastronomen angibt (hier) plus einer Grundstufe, die unbearbeitete Produkte beinhaltet.

 Wie berechnet sich der Conveniencegrad?

Auch hier gibt es wieder unterschiedlichste Möglichkeiten: Berechnet man das gesamte Einkaufsvolumen eines Caterers? Dann müsste man Getränke auch dazu rechnen und die sind verzehrfertig, also zu 100% Convenience. Oder berechnet man nur Teile wie Zwischenverpflegung oder Mittagessen? Im Grunde ist es wie die Frage nach der Kraft der Autos einer Automarke! Man könnte die durchschnittlichen PS aller PKW´s eines Herstellers berechnen — aber hätte dieser Wert eine große Aussagekraft?

Auch gibt es keine Maßeinheit für die Berechnung. Verwendet man den prozentuellen Anteil des Geldwertes eines Produkts oder doch das Gewicht? Beim Geldwert stellt sich die Frage, ob von den Einkaufs oder Verkaufspreisen? Bei der Ausweisung des Gewichtes stellt scih die Frage nach Rohgewicht oder Gewicht der fertig gegarten Speisen?

All dies trägt dazu bei, dass die Vergleichbarkeit von Convenience-Anteilen verschiedener Anbieter eine schwierige Sache ist.

Was die Kunden meistens interessiert!

In vielen Gesprächen mit unseren Kunden haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht um den Grad der „Vorverarbeitung” von Lebensmitteln geht, sondern darum wieviel vorgekochte bzw. vorgegarte Fertiggerichte verwendet werden. So ein Fertiggericht hätte damit einen Convenienceanteil von 85 — 100%

Aber ist ein hoher Conveniencegrad jetzt „schlecht” oder „gut”? Und welche Produkte zählen zu welcher Conveniecestufe? Ein paar Gedanken hierzu gibt es im zweiten Teil zum Thema Convenience.

2 Comments

  • Roman 3. August 2015 at 17:10

    Liebe Stephanie, da gebe ich dir vollkommen recht. Es herrscht totale Verwirrung im Conveniecewald. Doch was kann dagegen wirklich getan werden? Eine Ampelmethode? Mehr Aufklärung? Bessere Gesetze? Bei den genannten Definition bin ich auch noch nicht auf einen grünen Zweig gekommen: wie wird in diesem Zusammenhang vorbereitet definiert? Ich das Schlachten der Kuh nicht bereits der erste Schritt des Vorbereitens zur Weiterverarbeitung in der Gastronomie? Oder gar schon die Zucht der Kuh? Klare Definitionen wären gar kein so schlechter Anfang.

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  • Stephanie Scheiber 5. August 2015 at 8:02

    Hallo Roman,
    erst einmal danke für deinen Kommentar!
    Bezüglich der Definitionen: Auch wir sind hier immer wieder am Interpretieren was damit gemeint sein könnt: Die Schlachtung könnte meines Erachtens als erster Verarbeitungsschritt angesehen werden, ebenso wie das Mahlen von Getreidekörnern. Genau dieses Thema diskutieren wir im nächsten Artikel.
    Wenn sich die Frage nach dem Convenience-Anteil von Speisen stellt wären allgemein gültige Richtlinien sicher von Vorteil oder zumindest Vorgaben bei denen man angeben kann anhand welcher Berechnungsmethoden der dargestellte Convenience-Anteil gemessen wurde. Die Tabelle die wir hier verwenden, ist ja auch nur eine Empfehlung der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Ernährung. Ich bin auf jeden Fall deiner Meinung, dass klare Definitonen ein guter Anfang wären!

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